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DAUN, 07.11.2022 - 11:23 Uhr
Wirtschaft

Junge Menschen für MINT begeistern: Interview mit Susanne Lettner

Der MINT-Bereich bietet viele unterschiedliche, spannende Berufsmöglichkeiten, die sich nicht nur auf die traditionellen Disziplinen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik beschränken. Leider ist der MINT-Bereich weiterhin für junge Menschen nicht immer die erste Wahl, sodass viele Ausbildungs- und Studienplätze unbesetzt bleiben.

Die Initiative „MINT Zukunft schaffen“ hat sich daher den Schwerpunkt gesetzt, junge Menschen für MINT zu motivieren und zu fördern. Schirmherr der Initative ist Bundeskanzler Olaf Scholz. Denn Absolventen von MINT-Ausbildungs- und Studiengängen sind gefragte Technologieexperten und finden attraktive Berufseinstiege und Karrierewege – nicht nur in Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie, in der Chemie oder in der IT-Branche, sondern auch zunehmend in der Dienstleistungsbranche wie z. B. in Banken und Versicherungen.

Susanne Lettner ist MINT-Botschafterin der Initiative „MINT Zukunft schaffen“ und Jury-Mitglied der beiden Signets „MINT-freundliche Schule“ und „Digitale Schule“. Sie engagiert sich seit Jahren um junge Menschen für einen Ausbildungs- und Arbeitsplatz im MINT-Bereich zu begeistern und ist Co-Gründerin vom Projekt DigiMINTKids.

Im Interview gibt Susanne Lettner Tipps, wie junge Menschen den Einstieg in den MINT-Bereich schaffen und wie Schulen und Unternehmen sie dabei unterstützen können.

Welchen Rat würden Sie jungen Menschen mit auf den Weg geben, die überlegen ein MINT-Fach zu studieren oder eine Ausbildung im MINT-Bereich zu machen?

Susanne Lettner: Schülerinnen und Schülern rate ich, sich am besten vorab ein Bild vom MINT-Bereich zu machen. Veranstaltungen wie der Girls’Day, Karriere-Infotage oder auch Schülerpraktika bieten die Möglichkeit in einen MINT-Arbeitsplatz reinzuschauen. Dort können sich die Schüler mit den Berufstätigen austauschen und von ihnen erfahren, was sie im Studium oder in der Ausbildung erwartet, welche Berufsperspektiven es gibt und bereits testen, ob das der richtige Arbeitsplatz ist und ob ihnen die Tätigkeit auch gefallen würde.

Welche Grundvoraussetzungen muss es dafür geben?

Susanne Lettner: Um Schülerinnen und Schüler überhaupt für den MINT-Bereich begeistern zu können, müssen sie diesen erst einmal kennenlernen können. Unternehmen und Schulen sollten sich partnerschaftlich begegnen, denn von der Zusammenarbeit profitieren beide Seiten nachhaltig und vor allem langfristig. Gerade Unternehmen rate ich daher bewusst auf Schulen und Hochschulen zuzugehen und Formate wie Schülerpraktika oder Studienabschlussarbeiten anzubieten und auch Schulen oder Hochschulen vor Ort mit Info-Vorträgen zu besuchen und das Unternehmen und die Einstiegsmöglichkeiten vorzustellen.

Mit 1-tägigen Veranstaltungen wie den Girls’Day oder Exkursionen sollen Schüler einen kurzen Einblick vom Unternehmen erhalten. Was hat Ihre Erfahrung gezeigt, wie kann man gerade kompakte Veranstaltungen interessant gestalten?

Susanne Lettner: Info-Tage oder Exkursionen, die z.B. nur einen Tag dauern, sind eine gute Möglichkeit für Unternehmen den ersten Kontakt aufzubauen und bei Schülern und Studenten das Interesse für das eigene Unternehmen zu wecken.

Meine Erfahrung hat gezeigt, möglichst unterschiedliche Programmpunkte einzuplanen und den jungen Menschen ein abwechslungsreiches Programm zu bieten. Der Beginn kann z.B. eine Präsentation des Unternehmens sein mit anschließender Führung durch die Arbeitsstätte. Eine Diskussionsrunde bietet die Möglichkeit viele Fragen zu stellen und die Arbeitnehmer können authentisch von ihrem Berufsweg und Arbeitsalltag berichten z.B. welche Herausforderungen es gibt und an welchen spannenden Projekten sie gerade arbeiten. Gut kommen auch immer praktische Übungen an, in denen die Schüler oder Studierende selbst aktiv werden dürfen – die Übungen sollten aber vom Level auf die unterschiedlichen Altersstufen abgestimmt sein.

Gerade Mädchen trauen sich weiterhin weniger an den MINT-Bereich heran. Wie können wir  mehr Mädchen für MINT begeistern?

Susanne Lettner: Berichterstattungen in den Medien können helfen, ein positives Image für den MINT-Bereich zu erzeugen. Das können Präsentationen über innovative Projektarbeiten sein oder auch Vorstellungen von Personen, die authentisch ihre Berufstätigkeit zeigen und dadurch demonstrieren, dass ein Arbeitsplatz im MINT-Bereich kreativ und abwechslungsreich ist. Gerade auch Frauen im MINT-Bereich vorzustellen hilft Mädels sich selbstbewusst für den MINT-Bereich zu entscheiden, da sie sehen, dass viele Frauen in unterschiedlichen Arbeitsbereichen vertreten sind. Ein Umdenken tritt ein, wenn gute Beispiele bekannt sind. Glaubwürdige Informationen bauen Klischees ab.

Sie sind bei der Initiative „MINT Zukunft schaffen“ aktiv. Was machen Sie dort und was motiviert Sie?

Susanne Lettner: Seit April 2016 bin ich MINT-Botschafterin für die Initiative „MINT Zukunft schaffen!". Außerdem wirke ich als Jury-Mitglied für die beiden Signets „MINT-freundliche Schule" und „Digitale Schule" mit. Wir brauchen junge Menschen, die sich mit Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik gerne beschäftigen und auskennen. Sie sind unsere Zukunft und für den Technologiestandort Deutschland als gut ausgebildete Fachkräfte, kreative Ideengeber sowie Innovatoren wichtig, daher engagiere ich mich gerne bei „MINT Zukunft schaffen".

Was mir auch gut gefällt ist, dass ich mich als MINT-Botschafterin aktiv im MINT-Netzwerk einbringen kann. Durch unser internes Netzwerk kann ich mich gut mit anderen MINT-Aktivisten vernetzen, um mich so über aktuelle Projekte und Events auszutauschen und gemeinsame Aktivitäten im MINT-Bereich anzustoßen.

Was sind die Handlungsschwerpunkte von „MINT Zukunft schaffen“?

Susanne Lettner: „MINT Zukunft schaffen“ ist ein von Stiftungen, Verbänden, Vereinen und Arbeitgebern getragener deutscher Verein mit Sitz in Berlin, der 2008 gegründet wurde. Die Initiative versucht Schülerinnen und Schüler für MINT zu begeistern und Schulen im Bereich MINT zu motivieren. Dafür wurden die beiden Programme „MINT-freundliche Schule“ und „Digitale Schule“ ins Leben gerufen. Unter Schirmherrschaft der Kultusministerkonferenz erfolgt zur Unterstützung der MINT-Schwerpunkte an allen Schulen die Auszeichnung „MINT-freundliche Schule“. Zur Standortbestimmung des jeweiligen Digitalisierungsstatus können Schulen ihr digitales Profil schärfen und die Auszeichnung „Digitale Schule“ erhalten.

Für Studierende gibt es die MINT-Awards und den Studentenpreis für Unternehmen „MINT Minded-Company“, der gemeinsam mit audimax MEDIEN vergeben wird. Außerdem können Studierende sich für ein Stipendium bewerben, was gemeinsam mit dem Förderer MLP Finanzberatung ausgerichtet wird.

Eine weitere Aktivität ist die monatliche Erhebung der MINT-Lücke und das halbjährliche MINT-Reporting im Rahmen des MINT-Meters gemeinsam mit dem IW Köln. Das „MINT-Meter“ überprüft kontinuierlich den Fortschritt der MINT-Ziele. Im Zentrum steht die Frage: Drehen Wirtschaft, Bildungsträger und Politik an den richtigen Stellschrauben, um die Jugend für MINT-Bildung zu begeistern?

Als bundesweites MINT-Netzwerk möchte „MINT Zukunft schaffen“ zukunftsorientiert und wegweisend Zeichen für positive Veränderungen setzen und bietet den zahlreichen MINT-Einzelinitiativen der Verbände und Unternehmen eine breite Multiplikatorplattform, um durch ein gemeinsames Auftreten eine kritische Masse zu erreichen und politischen Forderungen Nachdruck zu verleihen. Von 2008 bis Ende 2021 war Bundeskanzlerin Angela Merkel Schirmherrin. Neuer Schirmherr der Nationalen Initiative wurde 2022 Bundeskanzler Olaf Scholz.

Sie sind Co-Gründerin vom Projekt DigiMINTKids. Was sind die Schwerpunkte? 

Susanne Lettner: MINT-Bildung sollte nicht erst in der Schule starten, sondern früher! Dies war ein Beweggrund unser Projekt DigiMINTKids zu gründen, welches einen Fokus auf die digitale (Medien-)Bildung und die MINT-Fächer im frühkindlichen Bereich (2-10 Jahre) legt.

Gerade in der Corona-Pandemie hat sich gezeigt, wie wichtig digitale Medien-Kompetenzen sind. Unsere DigiMINTKids können im Kinderhaus z. B. unter Anleitung Tablets nutzen, um Lernspiele zu verwenden, Alltagserlebnisse visuell und akustisch zu dokumentieren oder mit Robotern wie Bee-Bots und Blue-Bots das Programmieren zu lernen. Die Forscherwand mit den vielen verschiedenen Materialien lädt zum Experimentieren ein.

Dabei steht im Fokus, den Kindern zu vermitteln, wie man Technik positiv, sicher und kreativ einsetzen kann, anstatt Technik als Konsummittel zu verstehen. Auch werden den Kindern die Risiken aufgezeigt und ein sicherer Umgang mit digitaler Technik gelernt. Daneben finden MINT-Experimente und Aktivitäten in der Natur statt, die alltagsintegriert eingebunden sind.

Außerdem werden die Eltern und weitere Familienmitglieder bewusst miteinbezogen. Unser DigiMINTNetzwerk ist dafür die Plattform, um Austausch zu ermöglichen. Hier sehen wir große Chancen, auch den Erwachsenen Einblicke, Erprobungs- und Bildungsmöglichkeiten anzubieten. Und dieses Angebot wird auch gerne genutzt! So sind z.B. die Eltern involviert neue Programmiertechniken mit den Bee-Bots, Blue-Bots und anderen digitalen Lernspielzeugen oder auch verschiedene Kreativ- und LernApps für Kinder auszuprobieren. Unser Credo ist, dass durch ein Voneinander lernen und profitieren Wissen weitergetragen wird.

Mehr unter: https://mintzukunftschaffen.de/

 


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